Ausstellung & Bibliothek

Drei Gebäude, eine Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen – die Gedenkstätte verbindet historische Dokumente, persönliche Schicksale und zeitgenössische Kunst.
Rail Menora
Die Skulptur „Rail Menora“ auf dem Vorplatz thematisiert Ausweglosigkeit – die sechs Arme der Menora erinnern ansechs Millionen ermordete Juden, die grösstenteils mit der Bahn in die Vernichtung transportiert wurden.
Forsaken
Das Bronze-Relief „Forsaken“ zeigt erschöpfte jüdische Flüchtlinge, wach vor Todesangst. Ein enger Durchgangsymbolisiert die Grenze zur Schweiz – sichtbar in Wochenschau-Aufnahmen von 1940–1945.
Erinnern ist kein Rückblick. An dieser Grenze entschied sich das Schicksal tausender Menschen – dieses Haus soll dafür sorgen, dass wir das nie vergessen.
Johannes Czwalina
Gründer der Gedenkstätte
Pfarrer, Autor und Unternehmensberater

Drei Gebäude – eine Geschichte

Die Gedenkstätte besteht aus drei Gebäudeteilen, die zusammen ein umfassendes Bild der Geschichte zeichnen.

Themen der Dauerausstellung

Die Dauerausstellung im Neubau gliedert sich in fünf Themenbereiche.

Bücherschrank

Das Prinzip des öffentlichen Bücherschranks ist einfach: Ein Buch, welches man vielen Lesern wünscht, wird bei der Gedenkstätte Riehen in den Bücherschrank gestellt - welcher rund um die Uhr geöffnet ist, kostenlos für Erwachsene und Kinder. Dabei stöbert man in den bereits vorhandenen Büchern und findet meist etwas Spannendes zum Mitnehmen…Bei Fragen und Anregungen:Dan Shambicco / dan-shambicco@bluemail.ch

Die Schweizer Flüchtlingspolitik 1933–1945

Die Schweizer Flüchtlingspolitik zwischen 1933 und 1945 war von Widersprüchen geprägt: Zehntausenden Menschen bot das Land Schutz, gleichzeitig blieb vielen anderen die Grenze verwehrt.
1933–1938

Erste Flüchtlinge

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 flohen politische Gegner, jüdische Menschen, Intellektuelle und andere Verfolgte in die Schweiz.

Das Land nahm zunächst einige Tausend Flüchtlinge auf, verfolgte dabei aber bereits eine zunehmend restriktive Politik.
1938

Verschärfung der Flüchtlingspolitik

Nach dem Anschluss Österreichs und den Novemberpogromen ("Reichskristallnacht") stieg die Zahl der Fluchtwilligen stark an.

Im August 1938 vereinbarten die Schweiz und Deutschland die Kennzeichnung jüdischer Pässe mit dem berüchtigten "J"-Stempel, wodurch die Schweiz jüdische Flüchtlinge leichter identifizieren und zurückweisen konnte. Bereits damals wurden viele Menschen an der Grenze abgewiesen.
1939–1941

Kriegsausbruch

Mit Beginn des Krieges am 1. September 1939 wurden die Grenzen strenger kontrolliert. Politisch Verfolgte konnten teilweise noch aufgenommen werden, doch die Behörden versuchten, die Zahl der Flüchtlinge möglichst klein zu halten.
13. August 1942

Der entscheidende Wendepunkt

13. August 1942 gilt als der Tiefpunkt der Schweizer Flüchtlingspolitik. Der Bundesrat ordnete an, dass Flüchtlinge, die "nur aus Rassegründen" verfolgt würden – also insbesondere jüdische Flüchtlinge – grundsätzlich nicht mehr als politische Flüchtlinge gelten sollten. Dadurch wurden viele Menschen an der Grenze zurückgewiesen.
Berühmt und berüchtigt wurde die Aussage des damaligen Justiz- und Polizeichefs Eduard von Steiger.

"Das Boot ist voll."

– Eduard von Steiger, damaliger Justi- und Plizeichef

Dieser Satz wurde zum Symbol der restriktiven Schweizer Flüchtlingspolitik, auch wenn er in dieser Form erst etwas später in einer Rede verwendet wurde.

War die Grenze also "dicht"?

Eine differenzierte Bilanz

Nicht vollständig. Die Situation war komplex: Zwischen 1933 und 1945 nahm die Schweiz insgesamt rund 300'000 Menschen auf, darunter Internierte, Militärangehörige, Zivilflüchtlinge und Kinder. Davon waren etwa 51'000 zivile Flüchtlinge, darunter rund 20'000 bis 25'000 jüdische Flüchtlinge, die Schutz in der Schweiz fanden.

Gleichzeitig wurden etwa 24'000 Flüchtlinge an der Grenze zurückgewiesen, darunter viele Jüdinnen und Juden, von denen zahlreiche später deportiert und ermordet wurden. Diese Zahlen beruhen auf den Untersuchungen der unabhängigen Bergier-Kommission.

Für die Geschichte der Grenzschliessungen besonders relevant sind die Ereignisse an den Grenzübergängen in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen und Basel-Stadt (zu dem Riehen gehört), wo sich viele der dramatischen Schicksale abspielten.